Kafka zum 2ten...
Viele beklagen sich, daß die Worte der Weisen immer wieder nur Gleichnisse
seien, aber unverwendbar im täglichen Leben, und nur dieses allein haben wir.
Wenn der Weise sagt: »Gehe hinüber«, so meint er nicht, daß man auf die andere
Seite hinübergehen solle, was man immerhin noch leisten könnte, wenn das
Ergebnis des Weges wert wäre, sondern er meint irgendein sagenhaftes Drüben,
etwas, das wir nicht kennen, das auch von ihm nicht näher zu bezeichnen ist und
das uns also hier gar nichts helfen kann. Alle diese Gleichnisse wollen
eigentlich nur sagen, daß das Unfaßbare unfaßbar ist, und das haben wir gewußt.
Aber das, womit wir uns jeden Tag abmühen, sind andere Dinge.
Darauf sagte einer: »Warum wehrt ihr euch? Würdet ihr den Gleichnissen
folgen, dann wäret ihr selbst Gleichnisse geworden und damit schon der täglichen
Mühe frei.«
Ein anderer sagte: »Ich wette, daß auch das ein Gleichnis ist.«
Der erste sagte: »Du hast gewonnen.«
Der zweite sagte: »Aber leider nur im Gleichnis.«
Der erste sagte: »Nein, in Wirklichkeit; im Gleichnis hast du verloren.« |